18.01.2008 - www.fuldaerzeitung.de
FREIENSTEINAU Diese Zahl überrascht - allerdings nur auf den ersten Blick: "Die Arbeitslosigkeit in unserer Gemeinde liegt bei nur 0,96 Prozent", hatte Freiensteinaus Bürgermeister Friedel Kopp anlässlich des Neujahrsempfangs stolz verkündet.
Wenn gleich sind diese Zahlen im Dezember praktisch verdoppelt hat (Kopp lag nur die November-Statistik vor),. Gibt es Erklärungen für diese verblüffende Bilanz.Allerdings: Mit der von der Arbeitsverwaltung monatlich veröffentlichten Arbeitslosenquote haben Kopps Zahlen nichts zu tun. Dort werden die Erwerbstätigen ins Verhältnis zu den Arbeitssuchenden gesetzt - aber nur auf regionaler und überregionaler Ebene. "Arbeitslosenquoten für Gemeinden werden nur ab einer Größenordnung von mindestens 40 000 Einwohnern gebildet", nennt Horst Hahn, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Gießen, einen Grund.
Zudem, so Hahn weiter, hängen Arbeitslosenzahlen und deren Entwicklung für kleine Gemeinden "oft von Zufällen ab. Gerade in ländlichen Gebieten spielen hier die Pendlerbewegungen eine große Rolle".
Diese widerlegen jedoch nicht die von Friedel Kopp vorgelegten Zahlen. Der bezog ich nämlich auf eine Statistik für den Vogelsbergkreis, in der die Arbeitslosenzahlen ins Verhältnis zu den Einwohnern gesetzt werden. Demnach waren in Freiensteinau im vorigen November 32 Personen arbeitslos gemeldet, im Dezember waren es dann 63.
"Im Vogelsbergkreis liegen wir in dieser Statistik an der untersten Grenze. Seit 1993 haben wir im Bereich der Arbeitsagentur Gießen stets die geringste oder zweitgeringste Quote", erklärte Kopp und erläutert, warum das so sei: "Bedingt durch unsere zentrale Lage pendeln viele Bürger sternenförmig aus - etwas ins Rhein-Main-Gebiet, aber auch nach Schlüchtern, Steinau oder Fulda. Die zwölf Dörfer der Gemeinde gehörten früher zu vier verschiedenen Kreisen. Das macht sich noch heute bei den Arbeitsplätzen und beim Einkaufen bemerkbar. Die Kehrseite ist, dass viele Leute zwölf Stunden oder länger unterwegs sind." Ein weiterer Hintergrund für die gute Lage ist laut Kopp hausgemacht: "Wir haben nicht zuletzt durch unser in den neunziger Jahren entstandenes Gewerbegebiet auch örtliche Firmen, die Arbeitsplätze anbieten. Allein im Gewerbegebiet sind es 70 Beschäftigte, wobei die Firma Acti-Med 55 Mitarbeiter hat."



